Programmübersicht

Sektion KINO FERMISHED

BELINA – MUSIC FOR PEACE
Marc Boettcher

DIE ROTE KAPELLE I THE RED ORCHESTRA
Carl-Ludwig Rettinger

LIEBE WAR ES NIE
Maya Sarfaty

OTTOLENGHI UND DIE VERSUCHUNG VON VERSAILLES I
OTTOLENGHI AND THE CAKES OF VERAILLES
Laura Gabbert

SINGING IN THE DARK
Max Nosseck

WALTER KAUFMANN – WELCH EIN LEBEN! I
WALTER KAUFMANN - WHAT A LIFE!
Karin Kaper, Dirk Szuszies

WHO’S AFRAID OF ALICE MILLER
Daniel Howald

ZEITZEUGENGESPRÄCH
Volker Schlöndorff

Sektion Kurzfilmprogramm: Nosh Nosh

BLACK SNOT & GOLDEN SQUARES
Irina Rubina

NECRO-MEN
Tal Shmunis

RABBI FALSCH
Roy Goldman

RINA AND ZAKI
Ilay Mevorach

RÜCKKEHR INS MUTTERLAND I RETURN TO MOTHERLAND
Ron Rothschild

SUSAM
Sami Morhayim

Sektion Zeitreise

Jüdische Erfahrung im Kalten Krieg: deutsch-polnische Zeitreise und filmhistorischer Vergleich anlässlich 75 Jahre DEFA

Das Verhältnis der DDR und der Volksrepublik Polen zum Judentum war vor dem Hintergrund der Nazi-Besatzung, der Shoa und des Kalten Krieges in mehrfacher Hinsicht von Neuinterpretationen der Geschichte geprägt. Dementsprechend vorsichtig gingen die wenigen Filme, die zu dem Thema entstanden, damit um. Anlässlich des 75-jährigen Gründungstages der DEFA begeben wir uns auf eine filmische Zeitreise – von den ersten Reflexionen der Shoa kurz nach Kriegsende bis zu Spielfilmen aus den 1980er-Jahren. Interessant dabei sind Themen und Protagonisten, die fehlen: Etwa der 1968 unter fadenscheinigen politischen Gründen erzwungene Exodus der in Polen verbliebenen Juden und die angemessene Darstellung jüdischen Leides während der deutschen Besetzung. So erkundet die Reihe nicht nur, wie Spielfilme aus beiden Ländern Geschichte und Antisemitismus nach politischen Vorgaben behandelten. Sie zeigt auch auf, welche Leerstellen die filmische Erinnerungsarbeit dabei hinterließ und wie die – oft jüdischen – Filmschaffenden dennoch versuchten, das historisch und politisch belastete Thema würdig zu reflektieren.

Gemeinsame Reihe mit dem Warsaw Jewish Film Festival, ko-kuratiert von Lihi Nagler, unterstützt von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Die Filmvorführungen werden von Zeitzeugen- und Expertengesprächen begleitet (jfbb.info). Das Filmprogramm läuft im November 2021 auch auf dem Warsaw Jewish Film Festival (www.wjff.pl).

Sektion SERIAL FRESH: Series from Israel

Israelische TV-Serien ziehen Zuschauer*innen in aller Welt an. Wie konnte sich eine kleine Branche zu diesem riesigen Phänomen entwickeln? 2005 – nur 12 Jahre nach Gründung des ersten kommerziellen Fernsehens in Israel – überwand Haggai Levi mit IN TREATMENT israelische Grenzen. Mit einem geringen Budget drehte er eine ganze TV-Serie an nur einem Drehort – dem Therapiezimmer eines Psychiaters. Weniger ist eben mehr ...
Das hat Tradition: Diese erzählerische Konzentration finden wir im Alten Testament, wo Schauplätze zurückhaltend beschrieben und der Fokus auf Charakteren mit ihren ewigen Problemen liegt – aber auch in der traditionellen Erzählkultur – bekannt als "Tausendundeine Nacht" oder in der "Ve’Higadeta Le’bincha", dem jüdischen Brauch, Geschichte über Jahrzehnte weiterzugeben. Heute gibt es den modernen Staat Israel, in dem Muslime, Juden und Christen mit Millionen von Flüchtlingen und Einwanderern zusammenleben. Ein Bündel innerer Problemlagen und politischer Herausforderungen bestimmt den gesellschaftlichen Kontext – ständig nah am Ausnahmezustand. Ein Zustand, in dem nackte Wahrheiten erzählt werden müssen. Vorgetragen von rauen, ruhelosen Charakteren, die das Leben augenzwinkernd, mit Lächeln, Wut und Leidenschaft betrachten. Authentische Emotionen also, mit denen sie ihre Geschichten um jeden Preis erzählen. Denn wer weiß schon, was morgen kommt?

Die Serie OUR BOYS von Haggai Levi läuft im Programm des diesjährigen JFBB.

Sektion Hinter die Kulissen - Film und Orthodoxie

Seit einigen Jahren ist ein steigendes Interesse an Darstellungen von jüdischer Orthodoxie nicht nur im Independent-, sondern auch im Mainstreamfilm zu beobachten. Serien wie SHTISEL und UNORTHODOX begeistern ein internationales Publikum. Neben Filmen und Serien über orthodox-jüdisches Leben, die einem säkularen Publikum Einblicke in die eher abgeschirmten Lebenswelten ermöglichen, entwickelt sich jedoch auch eine orthodoxe Filmproduktion in Israel – von Frauen für Frauen. Das Programm nimmt beide Seiten des Phänomens in den Blick: Mit ENTANGLED von Dina Perlstein wird ein Film einer orthodoxen Filmemacherin gezeigt, das anschließende Werkstattgespräch gibt Einblicke in die orthodoxe Filmproduktion für ein weibliches Publikum. Im zweiten Werkstattgespräch geht es um die Faszination ultraorthodoxer Lebenswelten.

Eine Veranstaltung des Jüdischen Filmfestivals Berlin und Brandenburg (JFBB) in Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum Berlin und dem Seret – International Israeli Film Festival. Weitere Informationen zum Programm des JFBB unter jfbb.info, zu Seret unter www.seret-international.org

Sektion YAEL BARTANA - Filme

Mitten in Berlin, mitten in Europa, mitten im jüdischen Leben

Das Jüdische Museum Berlin hat sich in den vergangenen Jahrzehnten einen anerkannten Platz in der europäischen Museumslandschaft geschaffen. In seiner neu eröffneten Dauerausstellung, in wechselnden Werkschauen, mit seinen Sammlungen und in Veranstaltungen reflektiert das Museum im lebendigen Dialog Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Deutschland. Noch bis zum 10. Oktober 2021 zeigt das Museum Yael Bartana – Redemption Now. Die erste umfassende Werkschau in Deutschland widmet sich einer Künstlerin, die seit über zwanzig Jahren die großen historischen Erzählungen reflektiert, aus denen sich nationale und andere kollektive Identitäten formen. Im Rahmen des diesjährigen JFBB ist ein Filmprogramm mit älteren und neueren Videoproduktionen Yael Bartanas zu sehen. Wir konnten das Kuratierungsteam der Werkschau im Jüdischen Museum Berlin, Shelley Harten und Gregor Lersch, für eine Einführung in das künstlerische Leben und Werk Yael Bartanas gewinnen.