Unser Programm bietet filmische Begegnungen mit den Regisseurinnen und Regisseuren der Filme, Uraufführungen sowie deutsche Premieren internationaler Titel und Weltpremieren. Nach den meisten Vorführungen gibt es moderierte Filmgespräche über die Hintergründe und künstlerische Umsetzung der Filme. Eine Übersicht zu allen Gästen und geplanten Filmgesprächen finden Sie unter den jeweiligen Filmen.
Unsere Panels, Talks und Matineén bieten eine zusätzlich Möglichkeit für tiefergehende Einblicke in einzelne Themen.
FOLGENDE HIGHLIGHTS SIND GEPLANT:
80 Jahre CCC-Film
Mi 6.05. | FILMKUNST 66 Berlin
ab 16:00
1946 gründete der Überlebende Artur Brauner in den Trümmern Berlins die Central Cinema Company, kurz CCC. Das Atelier der CCC in Spandau wurde ein zentraler Schauplatz des westdeutschen Nachkriegskinos und als einzige Gründung dieser Jahre besteht die CCC noch heute, 80 Jahre später, als aktive Produktionsfirma. Anlässlich dieses Jubiläums zeigen wir in Kooperation mit der Deutschen Kinemathek zwei neu restaurierte und digitalisierte Filme der CCC, die vom Filmhistoriker Johannes Praetorius-Rhein eingeführt werden.
FILMVORFÜHRUNGEN
MENSCH UND BESTIE
Edwin Zbonek, DE/YU 1963, 88 min
In einem Konzentrationslager stehen sich zwei Brüder als inhaftierter Zwangsarbeiter und SS-Offizier gegenüber. Als das Lager kurz vor Kriegsende liquidiert und alle Insassen ermordet werden sollen, flieht Franz (gespielt vom jungen Götz George), um die Rote Armee zu informieren. Es beginnt eine erbarmungslose Verfolgungsjagd. Artur Brauner platzierte diese deutsch-jugoslawische Koproduktion auch als Antwort auf das Oberhausener Manifest, wurde aber von der deutschen Filmkritik verhöhnt.
Text: Johannes Praetorius-Rhein
DER DAUNENTRÄGER
Janusz Kijowski, FR/DE/PL 1992, 118 min
Ein junges Ehepaar Alex und Fryda flieht mit fotografischen Dokumenten aus dem Warschauer Ghetto, die die Verbrechen der Nazis beweisen sollen. Als sie einer Deutschen begegnen, die bereit ist, sie zu verstecken, geben sie sich als Geschwister aus. In dieser Abhängigkeit beginnt eine Affäre. Das mit Hanna Schygulla und Julie Delpy herausragend besetzte, international produzierte Kammerspiel lotet die Machtverhältnisse zwischen Tätern, Opfern und Bystandern aus.
Text: Johannes Praetorius-Rhein
Öffentliche Veranstaltung im Felleshus | Nordische Botschaften
Mi 6.05. 17:00 – 22:00
Eintritt: Frei | Anmeldung erforderlich hier | Sprache: Englisch
Panel: Jüdischkeit im nordischen Film – Einzelfälle oder Regel?
17:00-18:00
Welche Rolle spielen jüdische Themen im Kino Dänemarks, Finnlands, Islands, Norwegens und Schwedens? Welche Aspekte stehen dabei im Vordergrund und welche Chancen auf Filmförderung und an den Kinokassen haben sie?
Mit: Nina F. Grünfeld, Regisseurin; Uta Arning, Regisseurin; Rebecca Pruzan, Produzentin; Gideon Bolotowsky, Ehrenvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Helsinki
Moderation: Bernd Buder
ANSCHLIESSENDE FILMVORFÜHRUNGEN
Nordic Jewish Focus Kurzfilmprogramm 18:10
Dockan Glick / A Doll Named Glick (Uta Arning, SE 2026, 11‘ #coming-of-age#family#fiction) | Mischmasch (Uta Arning SE 2023, 30‘ #doc#encounters) | Parents (Jonas Lajboschitz, DK 2025, 19‘ #fiction#family#drama) | Snipped (Alexander Saul, DK 2025, 14‘ #fiction#humor#encounters)
Never Alone 20:00
Klaus Härö, FI/EE/SE/DE/AT 2024, 85‘ #fiction#drama#political
Matinee: Holocaust Education in Zeiten wachsenden Antisemitismus
FR 8. Mai 2026 | FILMKUNST 66 Berlin
Film ab 10:30 Uhr | Panel ab 12:45 Uhr
Wo steht die Holocaust Education heute? Welche Rolle kann Film bei der Vermittlung von Wissen über und Bewusstsein für die Shoah spielen? Gemeinsam mit der Claims Conference lädt das JFBB am 81. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs zu einer besonderen Matinée ein. Im Zentrum steht der Film Son of Saul. Mit seiner radikalen Bildsprache gelang es dem Oscar-prämierten Film, die Shoah immersiv und körperlich zu erzählen. Auch zehn Jahre nach seiner Premiere kann dieses filmische Meisterwerk uns dazu anregen, über die Entwicklungen der vergangenen Dekade nachzudenken und neue Wege der Holocaust Education zu suchen. Gespräch findet in deutscher Sprache statt.
FILMVORFÜHRUNG
SON OF SAUL
lászló Nemes, HU 2015, 107 min
László Nemes’ Film Son of Saul schildert den Alltag in Auschwitz-Birkenau
1944 aus Perspektive eines Sonderkommando-Häftlings. Die subjektive
Kamera ist konsequent auf den Protagonisten fixiert, während das Grauen
im Hintergrund unscharf bleibt. Saul versucht unter Lebensgefahr, einen
Jungen rituell zu bestatten. Ein radikaler Blick auf die Shoah.
Text: Lea Wohl von Haselberg
Panel: Druck von allen Seiten: Who Gets to Tell the Story?
SA 9. Mai, ab 11:00 FILMKUNST 66 Berlin
Eintritt: frei | Sprache: English
Was bedeutet es, im israelischen Filmkontext Geschichten über israelisch-palästinensische Zusammenhänge zu erzählen, und welche Voraussetzung bring da Erzählen dieser Geschichten mit? Das Podiumsgespräch bringt Filmemacherinnen aus unterschiedlichen Kontexten zusammen und beleuchtet die Strukturen, die diese Erzählungen prägen, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Filmen mit arabischen Protagonistinnen und Themen liegt sowie darauf, wie diese Filme rezipiert, interpretiert oder hinterfragt werden, sobald sie veröffentlicht sind.
Gäste: Isaac Zablocki, Other Israel Film Festival; Rotem Heymann, Albi Fund; Benjamin Freidenberg, Sam Spiegel Film & Television School; Bissan Tibi, Regie SILA
Moderation: Naomi Levari
Maria Schrader im Gespräch
SA 9. Mai 2026 FILMKUNST 66 Berlin
Film ab 19 Uhr | Gespräch ab 21:15 Uhr
Moderation Gespräch: Lea Wohl von Haselberg
Maria Schrader ist das Gesicht der 32. Ausgabe des JFBB und hat sich in
zahlreichen Filmen als Regisseurin und Schauspielerin mit jüdischen Themen
befasst. Anlass genug, sie zum ausführlichen Gespräch einzuladen und über
ihr filmisches Schaffen zu sprechen. Vorher zeigen wir ihren Film Vor der Morgenröte.
Filmvorführung
VOR DER MORGENRÖTE
Maria Schrader, DE/AT/FR 2016, 106 min
Fragmentarisch wird hier vom Exil des Schriftstellers Stefan Zweig in Amerika
erzählt. Keine zusammenhängende Biographie, sondern ein episodischer
Blick auf die Bedingungen und die (Un-)Möglichkeiten des Lebens nach dem
Verlust von Heimat, Freiheit und einer Idee von Europa.
Text: Lea Wohl von Haselberg
Von Berlin nach Hollywood
SO 10. Mai 2026 KINO KROKODIL Berlin
18 Uhr
Abschluss der Reihe „Von Berlin nach Hollywood“ in Kooperation mit der
Stiftung Neue Synagoge Berlin Centrum Judaicum und der Urania Berlin e. V.
zu Billy Wilders 120. Geburtstag.
Filmvorführung
HOTEL BERLIN
Peter Godfrey, US 1945, 98 min, 16 mm
Nach einer Romanvorlage von Vicki Baum erzählt der Film von einem Hotel
in Berlin kurz vor Kriegsende: Die Stadt liegt in Trümmern und der Zufall hat
Menschen zusammengewürfelt, die ganz unterschiedlich zum Regime stehen …
Im Anschluss gibt es ein Gespräch zwischen Knut Elstermann und Lea Wohl
von Haselberg.
Text: Lea Wohl von Haselberg
Ken Adam und Chaim Heinz Fenchel – deutsch-jüdische Filmarchitekten
SO 10. MAI 2026 Jüdisches Museum Berlin
ab 14 Uhr
Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Eröffnung des Libeskind-Baus
widmet sich die diesjährige Kooperation mit dem Jüdischen Museum Berlin
dem Thema Architektur. Mit Heinz Fenchel (1906–1988) und Ken Adam
(1921–2016) stellen wir zwei in Berlin geborene Filmarchitekten und ihr sehr
unterschiedliches Schaffen vor. Einführung in das Programm: Lea Wohl von Haselberg
Filmvorführungen
THE TROUBLE WITH MONEY
Max Ophüls, NL 1936, 98 min
Regie führte Max Ophüls, das Drehbuch verantwortete Walter Schlee,
die Kamera Eugen Schüfftan und die Bauten Heinz Fenchel – damit war
die niederländische Komedie Om Geld weitgehend von jüdischen Filmexilanten
geprägt.
DR. STRANGELOVE OR: HOW I LEARNED TO STOP WORRYING AND LOVE THE BOMB
Stanley Kubrick, UK/US 1964, 95 min
Vorfilm: THIS IS THE WAR ROOM
Boris Hars-Tschachotin, DE 2017, 13 min
Stanley Kubricks Satire Dr. Strangelove analysiert die militärisch-atomare
Eigendynamik des Kalten Kriegs und gewinnt angesichts heutiger geopolitischer
Spannungen neue Aktualität. Zentraler Schauplatz ist der von
Ken Adam entworfene War Room, dessen Gestaltung die absurde Distanz
der Machtzentrale zur Realität unterstreicht.
Texte: Lea Wohl von Haselberg