Er könne sich selbst nicht vertrauen, das Richtige zu tun. Darum habe er Israel verlassen. Das erzählt der Regisseur im Voice-Over, mit dem er durch seinen Film begleitet und Einblick in seine inneren Konflikte gewährt. Etwa zu seiner Arbeit als Kameramann für die Armee, der er auf Rat seines Vaters länger angehörte, als er sich im Nachhinein wünscht. Ein Interview mit der Großmutter, gefilmt bei ihr zu Hause, befragt er auf biographische Leerstellen. Warum kommen in ihrer Erzählung von der rettenden Ankunft in Palästina keine Palästinenser vor? Beobachtende Kameraschwenks über Demos in Berlin und Neuköllner Straßenszenen setzt er mit Fotos aus dem Familienarchiv ins Verhältnis. Und immer wieder zeigt der Film Material aus Rothschilds Zeit bei der Armee, etwa bei einem Einsatz in den besetzten Gebieten, gefilmt mit seiner privaten Kamera.
Beharrlich bricht der Regisseur politische Probleme, historisch wie gegenwärtig, auf die menschliche Ebene herunter, lässt sie in Alltagsbeobachtungen plastisch werden.
Tastend sucht er mit „A Jewish Problem“ nach Verbindungslinien zwischen der Shoah und dem Leid der 1948 vertriebenen Palästinenser, zwischen den kollektiven Traumata auf beiden Seiten und den Konflikten der Gegenwart.
Text: Susanne Mohr
Präsentiert gemeinsam mit dem achtung berlin film festival.
Vorfilm: Scenes From the Divide (Alison Klayman, US 2026, 32 min)