13.05.2026
JFBB pro 2026
Die dritte Ausgabe von JFBB pro brachte am 6. Mai Filmschaffende, Produzent*innen und Festivalgäste im Felleshus der Nordischen Botschaften zusammen. Schon zur Begrüßung durch Mathias Irminger Sonne von der Dänischen Botschaft wurde klar, wie besonders der Rahmen für diesen Tag war: Die nordischen Botschaften öffneten ihre Räume für Diskussionen und neue Begegnungen. Diese offene Atmosphäre zog sich auch durch das gesamte Programm.
Gleich zu Beginn ging es um eine große Frage: Wie kann Film heute mit gesellschaftlichen Konflikten und politischen Spannungen umgehen, ohne einfache Antworten zu liefern? Im ersten Panel „When Complexity Meets the Demand for Entertainment“ diskutierten der Geschäftführer der Yorck Kinogruppe Christian Bräuer, Regisseur Dani Levy, Produzentin Julia Müller, Regisseur Assaf Machnes, Produzent und Filmkritiker Jason Solomons sowie Regisseurin Shirel Peleg mit Nir Ferber (Programm Komitee JFBB) über Verantwortung, Unterhaltung und die Möglichkeiten des Kinos. Besonders spannend waren dabei die Einblicke, wie sich gesellschaftliche Debatten konkret auf die Berliner Kinolandschaft auswirken.
Zwischen den Programmpunkten entstanden die besten Gespräche oft ganz nebenbei: bei Kaffee, Zimtschnecken und nordischer Fika im Café des Felleshus oder beim gemeinsamen Mittagessen in der Kantine.
Am Nachmittag öffnete die Dagesh-Werkstatt einen sehr persönlichen Raum für aktuelle jüdische Gegenwartskunst. Vorgestellt wurden Arbeiten von Irina Dzhus (ANTICON), Matan Tal (My Sister Shira), Marccela Moreno (Shemira), Ron Segal (ADAM) und Soso Dumbadze (Ein Zufall). Gezeigt wurden Projekte in unterschiedlichsten Formen und Stadien – roh, experimentell, nachdenklich und humorvoll zugleich. Gerade die Unterschiede zwischen den Arbeiten machten deutlich, wie vielfältig jüdische Perspektiven heute erzählt werden.
Auch die anschließenden Projektpräsentationen lebten weniger von klassischen Pitches als von der Neugier füreinander. Assaf Machnes, Ido Gotlib, Nina F. Grünfeld, Shira Kela, Shoshana Simon und Uta Arning gaben spannende Einblicke in ihre aktuellen Projekte. Neben Herausforderungen enstand auch ein direkter Austausch über Ideen und mögliche zukünftige Kooperationen.
Am Abend rückte dann das nordische Kino in den Fokus. In der Diskussion „Jewish Themes in Nordic Film – Exceptions or the Rule?“ sprachen Nina F. Grünfeld, Uta Arning und Gideon Bolotowsky über jüdische Perspektiven im nordischen Film und darüber, welche Geschichten sichtbar werden und welche noch immer fehlen. Moderiert wurde das Gespräch von JFBB-Programmleiter Bernd Buder.
Der anschließende Filmabend zeigte schließlich, wie unterschiedlich diese filmischen Stimmen aussehen können. Das Kurzfilmprogramm führte vom jiddischen Theater in Stockholm bis zu absurdem und trockenem dänischem Humor in Snipped. Zum Abschluss lief Never Alone von Klaus Härö – begleitet von einem Gespräch mit Hauptdarsteller Rony Herman und Ehrenvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Helsink Gideon Bolotowsky und Cora Falk-Rode. Mit finnischem (alkoholfreien) Bier, gesponsert von der Finnischen Botschaft, klang ein intensiver und inspirierender Tag entspannt aus.
Danke an alle Beteiligten, Gäste und Partner*innen, die JFBB pro auch in diesem Jahr zu einem Ort für Begegnungen und neue Perspektiven gemacht haben.