21.05.2026
JFBB in Cannes
Programmdirektor Bernd Buder ist zu Gast bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes. Hier seine Eindrücke:
„Unter den vielen Filmen, die beim Cannes Film Festival das Leinwandlicht der Welt entdecken, sind immer auch einige Stoffe, die jüdische Themen reflektieren. Eine Auswahl aus diesem Jahrgang: so beschreibt Regisseur-Hauptdarsteller-Co-Autor Daniel Auteuil in WHEN THE NIGHT FALLS die Rettung von mehr als hundert jüdischen Kindern im Holocaust aus einem Lager in Vichy-Frankreich und reflektiert das damit verbundene Schicksal der Eltern, die nicht gerettet werden konnten.
In THINK GOOD portraitiert Géraldine Nakache die toxische Ehe zwischen einem kontrollsuechtigen Ehemann und einer Frau, die ihre Selbstbefreiung zurückstellt, bis auch die Mikweh nicht mehr hilft und selbst der Rabbi zur Trennung rät.
Begeistert hat nicht nur mich Lila Pinells hochdynamischer zweiter Spielfilm SHANA über den prekären Alltag einer Jungerwachsenen, die sich mit kurzer Lunte dem Druck entzieht, der durch ihren wegen häuslicher Gewalt im Knast sitzenden Mann, den nicht so tollen Teenagerin-Erfahrungen mit der Mutter, die sich damals lieber um ihre neue Partnerschaft gekümmert hat, und der anstehenden Bar Mitzvah ihrer kleinen Schwester auf ihr lastet. Jüdische Erfahrung mit Slang, vollkommen geerdet und mit begeisternd entfesselter wie authentischer Performance der Hauptdarstellerin Eva Huault.
Drei ganz unterschiedliche französische Filme, die ganz unterschiedliche jüdische Geschichten erzählen, die sicher bald (nicht nur) über die jüdischen Filmfestivals touren werden - vielleicht auch zum Jüdischen Film Festival Berlin Brandenburg Ende April/Anfang Mai 2027."