In seinem Spielfilmdebüt richtet der Regisseur und Kameramann Ido Weisman, dessen unvergesslicher Kurzfilm REQUIEM FOR A WHALE 2023 beim JFBB gezeigt wurde, seine Kamera auf eine Wohnwagensiedlung am Rande von Eilat, dem Urlaubsort an der israelischen Küste des Roten Meeres. Versteckt hinter der schillernden Skyline der Strandhotels beherbergte dieser Ort Menschen, die den meisten Tourist*innen verborgen blieb und inzwischen geräumt wurde. Weisman zeichnet mit stiller Geduld drei Porträts: Eliezer, der bei der Müllabfuhr arbeitet; Amir, ein Neuankömmling mit posttraumatischen Belastungsstörungen, dessen Nerven in der Öffentlichkeit blank liegen; und Tova, eine langjährige Bewohnerin mit angelsächsischem Hintergrund, die den Kontakt zu ihrer Familie abgebrochen hat. Ihre kleinen, beengten Räume werden zu Oasen der Ruhe, die sich von den bedrohlich aufragenden steinernen Hotelburgen des Massentourismus abheben und der rasanten Entwicklung des Kapitalismus im Weg stehen. SUN BAY hinterfragt das israelische Ethos der Verwurzelung und porträtiert sinngemäß den „wandernden Juden“, der den Stadtrand als Zufluchtsort wählt. In einer Gesellschaft, die ihnen weitgehend den Rücken gekehrt hat, klammern sich diese Menschen aneinander, um Gemeinschaft zu finden. Damit definieren sie die Bedeutung von Heimat neu sowie den entscheidenden Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit.
Text: Nir Ferber
Vorfilm: FROM A DISTANCE Omer Rosenberg, IL 2025, 22 min