Für den 13-jährigen Shaul Spielmann, in Wien geboren und direkt in die Schrecken von Auschwitz deportiert, wurde dieser Wald zur letzten Station. Gunskirchen, ein Außenlager von Mauthausen in Oberösterreich, errichtet in den letzten Monaten des Jahres 1944. Heute ist davon fast nichts mehr übrig: keine Baracken, die man betreten könnte, keine eindeutigen Markierungen, die einem sagen, wo man sich befindet. Nur ein einziges Fundament, ein paar verstreute Schilder und eine Landschaft, die gelernt hat, unschuldig auszusehen. In diesem poetischen und fragmentarischen Dokumentarfilm kehrt Spielmann mit seiner Familie an den Ort seines Überlebens zurück, während Anwohner und Nachbarn die Zeugnisse von Überlebenden sowie ihre eigenen Erinnerungen an diesen Ort vorlesen. Auch freiwillige Helferinnen und Helfer arbeiten daran, dass die historischen Spuren nicht vollends verschwinden.
Die Regisseure Hans Seebacher und Tobias Hochstöger liefern keine nüchterne historische Darstellung. Stattdessen geben sie uns Zeit zum Nachdenken, zum Zuhören und um das zu erspüren, was Sprache nicht vollständig fassen kann. Zusammengesetzt aus Stimmen, Pausen und der Präsenz des Ortes wird der Film zu einer Art Gedenkstein. Seine Stärke findet er in seinerder Zurückhaltung. Eine Einladung zur Stille, wo Worte versagen – und eine eindringliche Erfahrung des Erinnerns, die lange nach dem Abspann nachwirkt.
Text: Nir Ferber
Weitere Vorführung:
7.05. 18:30 DOKUMENTATIONSZENTRUM FLUCHT, VERTREIBUNG, VERSÖHNUNG
Stresemannstraße 90 | 10963 Berlin