Sektion Wettbewerb Spielfilm

Negative Capability

  • Jesse Zigelstein
  • CA
  • 2025
  • 92

Lakonische Middle-of-Age-Studie: Joel steckt in einer Midlife-Crisis, wie sie im Buche steht. Seine Ehe ist am Ende, sein Vertrag als Literaturdozent ist ausgelaufen, und Dating wird in der Lebensmitte auch nicht einfacher. Eine Lage, in der Galgenhumor und die sogenannte „negative capability“ helfen: die Lebenskunst, Ambivalenzen, Unklarheiten und Ungelöstes auszuhalten.

Schauspieler Jonas Chernick verkörpert in der Rolle des mäßig erfolgreichen Schriftstellers und Universitätsdozenten Joel eine Art Archetyp des jüdischen Kinos: Ein neurotischer Intellektueller voller Selbstzweifel, dessen Witze sich meist gegen ihn selbst richten und der eine Begabung für negatives Denken hat. Was an die Figuren erinnert, die Woody Allen in vielen seiner Filme präsentiert hat, erfährt hier ein grundlegendes Update für das 21. Jahrhundert. Joel ist stets um Korrektheit bemüht, entschuldigt sich für (das trotzdem vorgetragene) Mansplaining und erfragt beim Sex ausführlich das Einverständnis seiner Partnerinnen.

Auch einem mittelalten Mann ist es heute erlaubt, über Gefühle zu reden – worin Joel sich ausgiebig versucht. Das klappt besser mit den Menschen, die er neu kennenlernt und schlechter mit den Vertrauten von früher. So nehmen die Ablösungsprozesse ganz eigenwillig ihren Lauf. Ein stiller, lakonischer Film, in dem wechselhafte Stimmungen und inneres Erleben mehr Platz einnehmen als die äußere Handlung. Zum Glück gehört zu Joels Archetyp auch viel Humor – am Galgen, im Bett und anderswo.

Text: Susanne Stern


Credits

Originalitel Negative Capability

Internationaler Titel Negative Capability

Deutscher Titel Negative Capability

JFBB Sektion Wettbewerb Spielfilm

  • Regisseur Jesse Zigelstein

Land/Länder CA

Jahr 2025

Dauer 92