Als die CIA Sichels Memoiren mit umfangreichen Schwärzungen versah, löschten sie seine Geschichte damit nicht aus. In THE LAST SPY ergreift er nun selbst das Wort. Sein Leben umspannt ein ganzes Jahrhundert voller Umbrüche: die Flucht vor den Nationalsozialisten, den Aufbau der amerikanischen Nachrichtendienste in ihren Anfangsjahren, den Kampf gegen den Faschismus und die verdeckten Konflikte des Kalten Krieges.
In (West)Berlin befand sich Sichel mitten an einem historischen Brennpunkt, wo Ideologie, Strategie und Säbelrasseln aufeinandertrafen. Wenn er von seiner Spionagetätigkeit erzählt, glorifiziert er sie nicht, sondern hinterfragt sie. Nüchtern reflektiert er das instabile Gleichgewicht zwischen dem Schutz der Demokratie und ihrer Aushöhlung – und darüber, wie Geheimdienstarbeit entgleisen kann, wenn sie von Eitelkeit, Hybris und politischer Selbstüberschätzung angetrieben wird.
Regisseurin Katharina Otto-Bernstein führt Sichel noch einmal in jene geopolitischen Stürme zurück, durch die er einst selbst navigierte. Der Film konfrontiert die verdeckten Operationen, riskanten Strategien und unumkehrbaren Entscheidungen, die in der gegenwärtigen Welt und der aktuellen Geheimdienstarbeit nachhallen. THE LAST SPY wird so zu einer Auseinandersetzung mit der Logik der Macht – und zur Mahnung daran, wie nah die Vergangenheit uns in Wirklichkeit ist.
Text: Naomi Levari