Jüdisches Leben gibt es in Schweden seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die Gemeinden haben insgesamt um die 20.000 Mitglieder, und seit 2002 ist Jiddisch, zusammen mit Finnisch, Meänkieli, Romani-Chib und Sami, offiziell als Minderheitensprache anerkannt und feiert seitdem eine Renaissance – unter dem Titel „Harry Potter un der Filosofisher Shteyn“ erschien hier sogar Harry Potter auf Jiddisch.
Die Komiker Jamie Elman und Eli Batalion versammeln Geschichte und Anekdoten um jiddischsprachige Theaterstücke bis zu der Schwierigkeit, hier wegen der strengen Tierschutzgesetze an koscher geschlachtetes Fleisch zu kommen. Ihre Methodik ist die gleiche wie in ihren bisherigen Portraits jüdischen Alltags in Montréal, New York, London, Detroit, Toronto, Houston und Krakau: sie gehen auf die Straße und suchen ihre Geschichten zwischen Alltag und Institutionen, historischen Eckdaten und Food Courts, sprechen mit Rabbis, Historikern und Jugendlichen, finden heraus, wie unterschiedlich Tradition adaptiert und Jüdischkeit zwischen Kultur, Politik und Religion interpretiert wird.
Dabei steht, so Batalion, Humor im Vordergrund:
„Unser Ziel war es, Comedy als Trojanisches Pferd zu nutzen, um Brücken innerhalb und außerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu bauen. Deshalb haben wir nie versucht, politisch zu sein. Tatsächlich ist es Teil unserer Marke, das Komische in Debatten zu finden, und genau das sieht man auch in unseren Figuren […] Wir hoffen, dass wir die Nuancen dessen repräsentieren, was der durchschnittliche Jude denkt.“
Herausgekommen ist ein mit leichter Hand inszeniertes Portrait über jüdische Gegenwart, das freilich vor dem 7. Oktober 2023 gedreht wurde, nach dem Schweden und insbesondere Malmö – wo übrigens vom 18.-20.4.2026 das erste dortige Jüdische Filmfestival stattfand – wegen antisemitischer Vorfälle in die Schlagzeilen geraten ist.
Text: Bernd Buder