In drei Kapiteln erkundet SHOOTING mit außergewöhnlicher Präzision in Schnitt, Kameraarbeit und Archivrecherche Schauplätze, an denen sich Bilder und Gewalt verflechten. Der erste Akt, „Remake", zeigt, wie das Reenactment eines Krieges für einen Film echte Panik auslöst und die Bewohner eines Dorfes auf den Golanhöhen in die Flucht treibt.
In „Action" muss eine palästinensische Familie in Ost-Jerusalem entsetzt zusehen, wie die Fernsehnachrichten in ihrem Haus gefundene Waffen präsentieren, die dort nie waren.
„Props", der abschließende Teil, konzentriert sich auf einen altgedienten Waffensammler. Die Objekte seiner Sammlung erzählen eine Geschichte der Gewalt und werden für ihn zum Genuss.
Netalie Braun schafft eine außergewöhnliche und lange nachwirkende Trilogie über die Begegnungen des israelischen Kino mit den Mechanismen der Macht – und über die psychologischen und kulturellen Kosten dieser Begegnung.
In der Schwebe zwischen Dokumentation und Fiktion, Zeugnis und Reenactment eröffnet der Film einen Raum, um die Ethik des Blicks und die vernichtenden Konsequenzen einer militarisierten Realität neu zu durchdenken. SHOOTING untersucht nicht nur, was die Kamera einfängt, sondern auch ihre blinden Flecken: was sie übersieht, verbirgt und welche Wirklichkeit sie aktivmitgestaltet.
Text: Nir Ferber