Sektion Wettbewerb Dokumentarfilm

Shooting

  • Netalie Braun
  • IL
  • 2025
  • 80

Ein ebenso kluger und sensibler wie verstörender Dokumentarfilm, der die Schnittstellen von Kino, Krieg und Macht in Israel untersucht. Netalie Brauns Film ist zugleich ästhetisch eindrucksvoll und intellektuell provokant. Bedeutung hat er nicht nur für den Nahen Osten, sondern für jede Gesellschaft, die bereit ist, sich ihren eigenen moralischen Widersprüchen zu stellen.

In drei Kapiteln erkundet SHOOTING mit außergewöhnlicher Präzision in Schnitt, Kameraarbeit und Archivrecherche Schauplätze, an denen sich Bilder und Gewalt verflechten. Der erste Akt, „Remake", zeigt, wie das Reenactment eines Krieges für einen Film echte Panik auslöst und die Bewohner eines Dorfes auf den Golanhöhen in die Flucht treibt.
In „Action" muss eine palästinensische Familie in Ost-Jerusalem entsetzt zusehen, wie die Fernsehnachrichten in ihrem Haus gefundene Waffen präsentieren, die dort nie waren.
„Props", der abschließende Teil, konzentriert sich auf einen altgedienten Waffensammler. Die Objekte seiner Sammlung erzählen eine Geschichte der Gewalt und werden für ihn zum Genuss.
Netalie Braun schafft eine außergewöhnliche und lange nachwirkende Trilogie über die Begegnungen des israelischen Kino mit den Mechanismen der Macht – und über die psychologischen und kulturellen Kosten dieser Begegnung.
In der Schwebe zwischen Dokumentation und Fiktion, Zeugnis und Reenactment eröffnet der Film einen Raum, um die Ethik des Blicks und die vernichtenden Konsequenzen einer militarisierten Realität neu zu durchdenken. SHOOTING untersucht nicht nur, was die Kamera einfängt, sondern auch ihre blinden Flecken: was sie übersieht, verbirgt und welche Wirklichkeit sie aktivmitgestaltet.

Text: Nir Ferber


Credits

Originalitel Shooting

Internationaler Titel Shooting

Deutscher Titel Shooting

JFBB Sektion Wettbewerb Dokumentarfilm

  • Regisseur Netalie Braun

Land/Länder IL

Jahr 2025

Dauer 80