In der gemeinsamen Budapester Wohnung kümmert sich der acht Jahre jüngere Bandi hingebungsvoll um Eva: Er hilft ihr beim Anziehen, schneidet ihr frisches Obst auf und besorgt eine Clownsnase zum Wärmen ihrer ständig kalten Nasenspitze. Und er begleitet sie, wenn sie bei Kostümproben zum ersten Mal wieder einen gelben Stern am Revers trägt und das Erklimmen des Deportations-Waggons am Filmset zur emotionalen wie körperlichen Herausforderung für die alte Frau wird.
Als einzige Überlebende ihrer Familie fand Eva erst nach Jahrzehnten die Kraft, öffentlich über ihre Erlebnisse zu sprechen – eine Aufgabe, der sie sich bis zu ihrem Lebensende überzeugt widmete. Für „Reward for the Rain“ kombiniert Regisseurin Barbara Bernáth dokumentarische Aufnahmen aus Evas und Bandis Alltag und des Filmdrehs mit fotografischem Archivmaterial aus Auschwitz, dessen Materialität in scharfem Kontrast zu den immersiven VR-Aufnahmen steht. Angesichts einer nahen Zukunft ohne noch lebende Zeitzeug*innen stellt „Reward for the Rain“ damit auch Fragen nach den medialen Möglichkeiten der Aufarbeitung und des Erinnerns.
Text: Susanne Mohr