Basierend auf Gesprächen mit Zeitzeug_innen und bis damals größtenteils unveröffentlichten Archivaufnahmen, reflektiert der 1997 entstandene Dokumentarfilm die Stellung der Jüdinnen und Juden in Finnland während der finnisch-deutschen „Waffenbrüderschaft“ im Kampf gegen die Sowjetunion. Vom politischen Druck aus Deutschland, die Jüdinnen und Juden in den sicheren Tod auszuliefern, und der Weigerung der finnischen Regierung, dies zu tun. Von den vor den Nazis nach Finnland Geflüchteten, von denen einige dann doch deportiert wurden, angeblich „nur“ Kriminelle. Doch der jüngste von ihnen ist 18 Monate alt, in den Deportationslisten mit der Berufsbezeichnung „Kind“ gelistet. Von Juden, die als Soldaten in der finnischen Armee mit Deutschland kämpften. Von einer Feldsynagoge auf finnisch-deutscher Seite. Und von dem Erwachen von Hoffnung aber auch neuen Ängsten, als sich Finnland schließlich von Deutschland lossagte, was zum Lappland-Krieg zwischen den beiden früheren Verbündeten führte.
Intensiver Dokumentarfilm über einen Teil europäischer Geschichte und jüdischer Erfahrung, die international nur wenig bekannt sind. Und die im Geschichtsbewusstsein Finnlands bis heute Leerstellen hinterlässt: eine Erfahrung zwischen Hoffnung und Todesangst, eine Diplomatie im Schlingerkurs zwischen dem Druck allmächtiger Nachbarn, ethischer Verpflichtung und Antisemitismus.
Text: Bernd Buder