Die Regisseurin Esty Shushan gibt einen Einblick in die israelische ultraorthodoxe Haredi-Gemeinschaft aus einer selten gezeigten weiblichen Perspektive. Ohne zu romantisieren, erzählt der Film von den Spannungen innerhalb dieser Gemeinschaft – besonders im Hinblick auf die Rolle von Frauen zwischen Glauben, Familie und persönlicher Freiheit. Im Zentrum steht Ruths innerer Prozess nach dem Tod ihres Sohnes, der sich ganz leise und allmählich vollzieht. Ihre Trauer lässt sich nicht in die vertrauten Rituale ihrer Gemeinschaft übersetzen. In einem zentralen Moment sagt sie: “I’m not sure if I want to be healed.“ Damit macht sie eindrucksvoll deutlich, dass Heilung keine einfache Lösung ist, sondern ein mühsamer Weg voller Widerstände – der vielleicht nie zu Ende gegangen werden kann.
Die Biographie der Regisseurin verleiht dem Film zusätzlich eine politische Dimension. 2012 gründete Esty Shushan die feministische Bewegung „Lo Nivcharot, Lo Bocharot“ (hebräisch: „Nicht gewählt, nicht wählend“), die kritisiert, dass ultraorthodoxe Parteien Frauen systematisch von Kandidaturen ausschließen. Ruths Geschichte stellt damit auch die Frage, welche Handlungsspielräume Frauen in der streng geregelten, religiösen Gemeinschaft haben.