Für den verträumten Berre besteht die Welt aus Klängen. Er nimmt sie auf, sammelt sie und erzeugt sie selbst. Alltagsgeräusche von Motoren, Kaffeemühlen oder das Pochen von Fingern auf einem Tisch fachen sofort seine Fantasie an: Wonach klingt das und was könnte man damit erzählen?
Im Brüsseler Flagey-Gebäude, einer spektakulären Art-Déco-Kathedrale und 1940 die größte Radiostation der Welt, ist Berre genau am richtigen Ort. Als Praktikant in der Tonabteilung für Hörspiele blüht sein Talent auf und er muss unerwartet schnell Verantwortung übernehmen. Doch die Angst vor der deutschen Invasion schafft ein Klima des Misstrauens und die Liebe zu seiner jüdischen Kollegin Elza ist überschattet von der Gefahr, in der ihre illegal in Belgien lebende Familie schwebt. Der Film erzählt die düstere Entwicklung auf poetische Weise, ohne sie zu verharmlosen.
Prägend für die Atmosphäre ist das liebevolle Sounddesign, unter anderem mit einer improvisierten Musicalnummer und einem Gesangswettstreit à la CASABLANCA. Und in Berres großer Komposition für Elza wird der Kosmos der Töne zur Metapher für die eigentlich untrennbare Verbundenheit aller Menschen, und speziell die von Elza und Berre.
Text: Susanne Stern