Nachdem ihm die Weiterfahrt verweigert wird, schafft es Khaled irgendwie, die Sperrmauer zwischen den palästinensischen Gebieten und Israel heimlich zu überwinden, und findet sich in einer nicht weit entfernten Fremde wieder. Zur Sehnsucht, zum ersten Mal in seinem Leben vom Westjordanland aus das Meer zu besuchen, kommen Neugier und auch Angst. Gleichzeitig macht sich sein Vater, der sein Geld in Israel mit nicht registrierten Gelegenheitsjobs verdient, auf die Suche nach dem verlorenen Sohn.
Eigentlich ist der Film, der als Zusammenarbeit zwischen dem israelischen Regisseur Shai Carmeli-Pollak und dem palästinensischen Produzenten Baher Agbaria entstand, eine ganz normale Vater-Sohn-Geschichte. Die allein macht ihn schon sehenswert. Doch die emotionale Anspannung, mit denen es seine beiden Protagonisten zu tun bekommen, steigt unter den politischen Umständen überproportional: hier der kindliche Freiheitsdrang, der ganz normale Wille, sich frei bewegen zu können, einfach auszureißen aus dem ständigen Druck, dort die argwöhnischen Blicke der Passanten und Polizisten. Hier wird jeder Schritt in die vermeintliche Freiheit genauso zum Risiko wie die Suche des Vaters nach seinem Sohn.
Im September 2025 wurde der Film bei den Ophir-Awards, den israelischen Filmpreisen, gleich fünfmal ausgezeichnet, darunter als Bester Film, womit er auch als Kandidat für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert wurde. Der 13-jährige Muhammad Gazawi bekam den Preis als bester Schauspieler. Der israelische Kulturminister Miki Zohar ärgerte sich über den Preisregen für den israelisch-arabischen Film und die Proteste der versammelten Filmschaffenden gegen den Gaza-Krieg so sehr, dass er ankündigte, künftig die Finanzierung dieser Preiszeremonien einzustellen.
Produzent Agbaria betonte während der Preisverleihung: „Das ist in solch dunklen Tagen, in denen die Geräusche des Krieges und der Lärm der Waffen versuchen, die menschliche Stimme zum Schweigen zu bringen, keine Selbstverständlichkeit. Dieser Film entstand aus der Liebe zur Menschheit und zum Kino, und seine Botschaft ist eine einzige – das Recht jedes Kindes, in Frieden zu leben und zu träumen, ohne Belagerung, ohne Angst und ohne Krieg.“ Ein sensibler, leiser Film, der in der augenblicklichen Situation unter doppelten Druck geriet: auf der einen Seite von rechten Hardlinern, auf der anderen Seite von den Befürwortern eines Boykotts israelischer Filme.
Text: Bernd Buder