Wahrscheinlich ist etwas dran an der Vermutung, die Sam (Regisseur Matthew Shear selbst) seinem Psychiater gegenüber äußert, dass sein Zustand etwas mit intergenerationalem Trauma zu tun habe. Die Intensität der Ängste und depressiven Gedanken, die den jungen New Yorker quälen, legen es ebenso nahe wie die Menge an Medikamenten, die er braucht, um durch den Tag zu kommen. Und auch bei Dianne (Amanda Peet) gehören Besuche bei ihrer Therapeutin und ein beeindruckender Medikamentencocktail zum Standard.
In Nebensätzen, biografischen Details über Verwandte oder auch in Diannes Ferienlektüre, der Biografie eines Überlebenden, ist die Shoah omnipräsent. Aber sie ist nicht Thema dieses Films. Das ist die Gegenwart, ein Jahr, in dem Sam Teil von Diannes Familie wird und die Begegnung beiden auf unerwartete Weise guttut. Sams Unsicherheiten und Neurosen, Diannes gequälte Versuche, mit der Schauspielwelt Schritt zu halten – die Geschichte folgt ohne große dramatische Höhepunkte den Protagonisten bei ihren Versuchen, das Leben zu meistern.
Dabei wachsen sie uns ans Herz und schlussendlich kann man sie alle verstehen: Sam, Dianne, ihren Ehemann und sogar ihren konfliktsüchtigen Vater. Matthew Shear, der in Filmen von Noah Baumbach gespielt hat, ist mit seinem Debüt als Autor und Regisseur etwas gelungen, was im Kino nur selten wahrhaftig vorkommt: Ein durch und durch empathischer Film.
Text: Susanne Stern