Während in Paris die Studentendemonstrationen zu Straßenkämpfen werden und die Revolte auf das ganze Land überschwappt, geht das Leben der jüdisch-christlichen Familie Boltanski in der Rue de Grenelle weiter seinen leicht chaotischen, aber friedlichen Gang. Vier Generationen leben hier zusammen in einer Wohnung mit Geheimversteck, das während der deutschen Besatzung Leben gerettet hat.
Den gesellschaftlichen Umbruch begleitet die Familie mit Sympathie, aber die Boltanskis haben schon immer nach eigenen Gesetzen gelebt. Es wird philosophiert und theoretisiert, Religion legt man großzügig aus und den Kindern und Enkeln wird die Bedeutung des Geschichtenerzählens sehr lebendig vorgelebt. Und weil die Boltanskis selbstverständlich immer an der Seite der jeweiligen Underdogs stehen, findet auch ein hochrangiger Verfolgter der neuen Ordnung zeitweise bei ihnen Unterschlupf – so besagt es zumindest eine schöne Legende. Ein liebevoller Film nach den Kindheitserinnerungen des Schriftstellers Christophe Boltanski, dessen Figuren einem immer mehr ans Herz wachsen, je tiefer man in ihre Welt eintaucht.
Text: Susanne Stern